Proben
Besuch einer Chorprobe des Inninger Gospelchors
Dienstag, 19.35 Uhr: Renate, die Chorleiterin, und Karl, unser Probenkönig, bauen mutterseelenallein die Musikinstrumente und die Stühle auf.
19.50 Uhr: Der Hauptanteil der Sängerinnen quillt herein.
19:55 Uhr: Angelika, die Pianistin, erscheint.
20:00: Uhr: Hell ertönt Renates Sopran: „Bitte aufstellen!“
20:03 Uhr: Schnell schmuggelt sich eine Nachzüglerin in die Menge.
Nun beginnt Renate mit Stimmübungen: „Ausatmen“: f-f-ffff. „Einatmen“: paahh.
Die Hetze des Alltags fällt langsam ab, die Seele wird ruhig und baumelt. Aber auf einmal kommt ein großer Elefant. Er steigt in die Badewanne, und, alle müssen sprechen: „Tante Anna hat in ihrer Badewanne einen Elefant.“ Erst langsam, dann immer schneller.
20.08 Uhr: Die beruflichen Spätheimkehrer kommen an.
Hans und Tobias, die Gitarristen, klappen ihre Notenständer auf.
Inzwischen sitzt ein Stinktier auf der Bank. Renate teilt die Sängerinnen und Sänger in drei Gruppen und gibt den Einsatz für den Stinktier-Kanon: „Ein Stinktier saß auf einer Baa-ank und staa-ank. Und als die Sonne ward gesunken, hat es immer noch gestunken“. Das Lied geht in Gelächter über, die Stimmung steigt, der Kreis löst sich auf, jeder setzt sich auf seinen Platz.
Es folgt Renates Lieblingsübung: Stühlchen rücken. Das heißt, jeder wird so platziert, dass er den Anderen hört und die Dirigentin sieht, aber vor allem, von ihr gesehen wird. Im Stehen jagen alle die „Rose“ und die „Tulipan“ durch die Tonleiter. Zum Schluss werden die „Juchzer“ in den Himmel geworfen, ein rechtes Geplärre, aber dann kehrt Ruhe ein. Stimmübung beendet!
Noten werden verteilt, Termine besprochen, eine Runde „Quatschen“ ist angesagt. Nun aber los. „I can tell the world“ heißt der Übungs-Hit. Die Bässe beginnen:
Es klappt recht gut. Die Herren haben offensichtlich geübt!!
Tenor und “Tenösen” singen ihren Part.
Bisher gibt es nur einen Tenor, der von einigen Damen in der höheren Oktave unterstützt wird. Bass und Tenor singen dann zusammen. Es klingt ganz gut. Jetzt stimmt der Alt seine Melodie an:
Und protzt mit viel Volumen. Keine Kunst, denn es sind derer viele! Inzwischen wird es im Sopran unruhig. Sie wispern sich die letzten Neuigkeiten zu. Energisch fährt Renate dazwischen und schmettert ihnen ihren Anfangston um die Ohren:
Alle schrecken auf und folgen ihrem hohen „Es“. Ein bisschen gequetscht klingt das Ganze. Also aufstehen, Brust heraus und den Ton wieder in den Himmel schmeißen. Schon viel besser! Der Anfang ist gemacht, aber nun müssen alle Stimmen zusammengesetzt werden.
Angelika intoniert den ersten Akkord. Frisch gewagt, jeder summt mit: 1-2-3-4 „I can tell the wööö-rld, ...“ Pfui Deifi, eine echte Dissonanz, des war nix. Versuchen wir es noch einmal. Geduldig gibt Angelika die Töne, 2-3-4; es klappt bis zur zweiten Zeile. Dann steigt der Bass aus, auch im Alt wackelt es, vom Tenor hört man nichts mehr, nur der Sopran trällert lustig vor sich hin. Renate klopft ab und spricht ein paar tröstende Worte: „Na ja, es ist halt schwer“.
Die schwierigen Übergänge werden neu probiert, usw., usw. Die Zeit verrinnt. Vor dem letzten Versuch werden Hustenbonbons verteilt, die Spannung steigt. Angelika spielt wieder geduldig den Anfangsakkord. Die Stimmen suchen summend ihre Töne, Hans gibt mit der Gitarre den Takt und dann: 2-3-4, „I can tell the world, I can tell the world ....“ Die Töne fließen, auch die schwierigen Dissonanzen perlen von den Lippen, weiter – weiter – immer weiter, die Klänge passen zusammen, nur nicht aussteigen. Angelika spielt und spielt und spielt, auch der letzte Ton wird getroffen. Alle atmen erleichtert auf, Renate jubelt: „ja – ja – ja - ihr könnt das!“ Wie schön. Die Noten einpacken - Pause!
Zur Erholung werden die Geburtstagskinder heraus gebeten, mit „Happy Birthday“ beglückwünscht und mit einem Wunsch-Gospel beschenkt. Da gibt es den „Joshua“, die „Lean on me“ und den „Burden down“. Ein echtes Labsal nach der Proberei.
21.30 Uhr: Noch schnell kramt Renate ein bis zwei bekannte Lieder für den nächsten Gottesdienst heraus. Der Chor singt ohne Probleme. Dann ist es höchste Zeit aufzuräumen, noch ein bisschen ratschen und dann was Trinken, entweder im Probenraum oder ab in die Stammkneipe, denn die Kehlen sind trocken! Ein erholsamer, beglückender Abend. Denn: „Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“
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„I can tell the world ...“
„Ich berichte der Welt, dass der Erlöser gekommen ist, und Freude für meine Seele gebracht hat!“